Stroke Unit

Die Kompetenzklinik für Schlaganfall

Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik für Neurologie liegt in der Notfall-Behandlung des akuten Schlaganfalls. Rund um die Uhr steht ein hochspezialisiertes Team für Diagnostik und Behandlung des Schlaganfalls bereit.

Die Stroke Unit (Schlaganfall-Behandlungseinheit) der Sana Kliniken Lübeck ist durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert.

Der Schlaganfall ist ein Notfall! Rufen Sie 112!
 

Abbildung 1 (Quelle: Dt. Stiftung Schlaganfall-Hilfe): „time is brain“: je schneller die Zuweisung zur Behandlung (insbesondere Thrombolyse) erfolgt, desto besser sind die Behandlungsaussichten.


Stroke Unit-Konzept

Als Stroke-Unit (Schlaganfall-Behandlungseinheit) bezeichnet man eine durch Neurologen geführte, speziell für die Behandlung von akuten Schlaganfall-Patienten konzipierte Überwachungsstation. Der besondere Vorteil für die Patienten liegt in dem integrativen Behandlungskonzept durch ein hierauf spezialisiertes multiprofessionelles Team, das eine hochqualifizierte Diagnostik und Therapie für Menschen mit akutem Schlaganfall bereitstellt. Neben den Neurologen stehen auf der Stroke Unit speziell ausgebildete Pflegekräfte, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten sowie Neuropsychologen zur Verfügung. Das Behandlungskonzept beinhaltet zudem eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Notaufnahme, den Kardiologen und Gefäßchirurgen und bei besonderen Konstellationen mit interventionellen Neuroradiologen und Neurochirurgen.

Therapie und Behandlung auf der Stroke Unit

Die rasche Zuweisung von Patienten mit Schlaganfällen ist besonders in den ersten Stunden nach Auftreten der ersten Symptome wichtig. Die Thrombolyse-Behandlung ("Thrombus"= Gerinnsel, in diesem Fall in einer Hirnarterie als Ursache des Schlaganfalls; "Lyse" = Auflösen des Gerinnsels mittels eines zu injizierenden hochaktiven Medikamentes) wird seit vielen Jahren als effektive Notfallbehandlung des akuten Hirninfarktes angewendet. Eine Thrombolysetherapie ist nur in den ersten Stunden (in der Regel bis 4,5 Stunden nach Symptombeginn, in Einzelfällen auch später) sinnvoll. Für diese Akut-Therapie mit über die Vene erfolgender Gabe des gerinnselauflösenden Medikamentes wurde in mehreren großen Studien der Behandlungserfolg nachgewiesen. Neben dieser Therapie in der Hoch-Akutphase werden auf der Stroke Unit die weitere spezifische Behandlung und Diagnostik zum Erkennen der Ursachen des Schlaganfalls durchgeführt.

Eine Stroke Unit-Behandlung hat einen nachgewiesenermassen positiven Einfluss auf die Schwere neurologischer Ausfälle. Dies ist durch die Akuttherapie wie z.B. der Thrombolyse bedingt, der Verhinderung von Folgeerkrankungen z.B. Lungenentzündungen, aber auch ganz wesentlich durch das engmaschige Monitoring von Blutdruck, Herzaktionen, Temperatur, Blutzucker und anderen Parametern. Dazu kommt die rasche Einleitung der Diagnostik und Weiterbehandlung, wie medikamentöse Behandlung oder Operation/Erweiterung von Halsarterien. Bereits kurz nach Aufnahme wird die Behandlung neurologischer Ausfälle durch das Therapeutenteam (Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie) begonnen. Die Dauer der Stroke Unit-Behandlung deckt in der Regel die ersten kritischen 1-3 Tage nach Schlaganfall ab, danach erfolgt die Weiterbehandlung auf der neurologischen Bettenstation. Falls notwendig, wird bereits parallel zur Stroke-Unit-Behandlung die Verlegung in eine Rehabilitationseinrichtung geplant. Jedoch wird bereits während der Akutbehandlungsphase in unserer Abteilung innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme die Behandlung der neurologischen Ausfälle begonnen.

Ca. 12-15% der Schlaganfälle sind nicht durch Gefäßverschlüsse verursacht, sondern durch Hirnblutungen. Bei diesen Fällen kommt keine gerinnselauflösende Therapie in Frage, sondern im wesentlichen eine Behandlung auf der Stroke Unit. In sehr wenigen Fällen wird eine neurochirurgische Behandlung notwendig, insbesondere bei Blutungen aus Gefäßmissbildungen der Hirnarterien.

Einige "Highlights" unserer Schlaganfall-Behandlung

Fast-Track-Thrombolyse

Bei entsprechender Ankündigung durch den Rettungsdienst läuft ein definierter und trainierter Algorithmus ab, durch den die schnellstmögliche diagnostische Einschätzung und Therapie erfolgt. Hierdurch wird rund um die Uhr eine extrem kurze Zeitspanne zwischen Ankunft des Patienten in der Notaufnahme ("door") bis zum Beginn einer gegebenenfalls sinnvollen Thrombolysetherapie ("needle") gewährleistet. Die door-to-needle -Zeit gilt allgemein anerkannt als Messlatte einer gut struturierten Notfallversorgung des akuten Schlaganfalls. Es gilt: je schneller die Behandlung einsetzt, desto mehr Hirngewebe wird vor dem Untergang bewahrt ("time is brain"). In einzelnen, sehr unkompliziert einzuschätzenden Fällen wurden bei uns Zeiten unter 10 Minuten für die "door-to-needle- Zeit" erreicht. Jedoch setzt die Thrombolyse eine sorgfältige Abwägung voraus, ob die Therapie gerechtfertigt und gefahrlos verabreicht werden kann, so dass in komplizierten Fällen einige Minuten mehr bis zur Therapie-Entscheidung notwendig sein können. Im Schnitt liegen unsere door-to-needle-Zeiten um die 20-30 Minuten (zum Vergleich: in Nordamerika im Schnitt ca. 60 Minuten). Die anonymisierten Daten der Behandlungsfälle mit door-to-needle-Zeit und ggf. neuroradiologischer Behandlung sind auf unserer Homepage einsehbar (Thrombolysezeiten)

Wake-up-Stroke und andere spezielle Fälle

Bei ungefähr einem Viertel aller Schlaganfallpatienten ist die Zeitdauer seit dem Eintritt der Symptome nicht feststellbar -dies ist aber an sich für die Thrombolysetherapie vorgeschrieben, damit das als wirksam nachgewiesene Zeitintervall zwischen Symptombeginn und Therapie von 4,5 Stunden, in Einzelfällen von 6 Stunden, nicht überschritten wird. Meist sind von diesem Problem "unklares Zeitfenster" Menschen betroffen, die noch gesund schlafen gingen und dann morgens mit den Schlaganfallsymptomen aufwachten ("wake-up stroke"). Nach klinischen Studien zu diesem Thema kann man aber auch in diesen besonderen Fällen die Behandlung trotzdem durchführen, wenn mittels MRT- oder speziellen Computertomographie- Untersuchungen das Ausmaß der bereits eingetretenen Hirnschädigung dargestellt werden kann. Diese Form der besonderen Notfallbehandlung wird von uns mit großer Erfahrung und auf der Basis eigener klinischer Studien durchgeführt.

Neuroradiologische Behandlung inklusive Thrombektomie

Liegt ein besonders großes Gerinnsel in einer Hirnarterie vor, so hilft die Notfallbehandlung mittels Thrombolyse nicht in ausreichendem Maße. In diesem Fall wird zusätzlich eine Notfall-"Hirnkatheter"-Behandlung vorgenommen, bei der das verschlossene Gefäß mittels "Hirn- Katheter" aufgesucht und das Gerinnsel herausgezogen wird (Fachbegriff "Thrombektomie"). Hierzu steht die Sektion Neuroradiologie mit einer der modernsten Angiographie-Anlagen Norddeutschlands rund um die Uhr zur Verfügung. Genau wie bei der Thrombolysebehandlung sollte diese Behandlung möglichst schnell vonstatten gehen, um die Schädigung des Gehirns zu begrenzen. Auch hier sind unsere Zeiten bis zum Start und Ende der Behandlung im nationalen und internationalen Vergleich hervorragend. Aber auch für Behandlungen von Erkrankungen der Hirngefäße, die keinen akuten Notfall darstellen, bietet unsere Sektion der Neuroradiologie ein breites Behandlungsspektrum an.

Abbildung 1: Notfall-Hirnkatheter zur Gerinnselentfernung

Links: Hirnarterie verschlossen. Rechts: Hirnarterie rechts wiedereröffnet

Multimodale Bildgebung des Hirns

In vielen Fällen reicht die Darstellung des Gehirns mittels einfachem Computertomogramm (CT) nicht aus, um eine rasche Therapieentscheidung beim akuten Schlaganfall zu treffen. Zusätzlich wird daher häufig eine Darstellung der Hals-und Hirngefäße mittels CT--Angiographie benötigt. Auch die Darstellung der Gehirndurchblutung zum Aufspüren von unzureichend durchbluteten Arealen (Perfusions-CT) beim akuten Schlaganfall wird in unserer Klinik routinemäßig durchgeführt. Bei speziellen Fragestellungen wird in der Notfallzuweisungssituation eine MRT- Untersuchung veranlasst.

Abb. 2. Computertomographie-Bilder eines akuten Schlaganfallpatienten

Rechts oben und links oben: Darstellung der Durchblutungverminderung im Hirn als blaues Areal im rechten Bild, ohne Gewebsuntergang im linken Bild. Links unten: Gefäßdarstellung der Hirnarterien mittels CT-Angiographie mit Verschluss einer wichtigen Hirnarterie. Rechts unten: das CT des Hirn ist in der frühen Phase des akuten Hirninfarktes noch ohne Schädigungszeichen. Nach erfolgreicher Behandlung konnte der drohende große Hirninfarkt verhindert werden und der Patient ohne wesentliche Ausfälle entlassen werden.

Ultraschalldiagnostik mit DEGUM-3-Zertifkat

Für die Beurteilung der Gefäßsituation beim Schlaganfallpatienten ist die Diagnostik mittels Ultraschalluntersuchung der Hals-und Hirnarterien besonders wichtig. Im Vergleich zu den anderen Verfahren können hiermit Erkenntnisse über die Flussgeschwindigkeiten und Flussrichtung des Blutes in den hirnversorgenden Arterien gewonnen werden. Hierzu wird ein "High-end" Ultraschallgerät verwendet. Dies erfolgt durch die Ärzte der Abteilung und 2 speziell ausgebildeten MTAs mit einer weit überdurchschnittlichen Kenntnis und Erfahrung in diesem Bereich. Für die Diagnostik von Gefäßentzündungen z.B. der Schläfenarterien (Arteriitis temporalis) wird ein hochauflösender Schallkopf verwendet. In der Klinik für Neurologie ist gegenwärtig der Chefarzt unserer neurologischen Klinik der einzige Arzt in Lübeck, der das höchste Zertifikat für neurologische Ultraschalldiagnostik (DEGUM-Stufe 3) vorweisen kann. Er beurteilt besonders komplexe Fälle auf Zuweisung von niedergelassenen Neurologen (Ermächtigungsambulanz). Als einzige Klinik in Lübeck und weiterer Umgebung werden spezialisierte Ultraschalluntersuchungen wie Embolusdetektion (Aufspüren von Mikrogerinnseln in den Hirnarterien) und cerebrovaskuläre Reservekapazität (Bestimmung der Hirngefäße bei schweren Verengungen der hirnversorgenden Arterien) durchgeführt.

Abbildung 3: Ultraschalldarstellung der Hirngefäße und MRT-Untersuchung des Hirns beim akuten Schlaganfall

Links: Darstellung der Hirnarterien mittels Ultraschall durch den Schädel vor und nach Wiedereröffnung der mittleren Hirnarterie. Rechts: MRT mit Gefäßdarstellung der Hirnarterien bei einem akutem Schlaganfall.

Unser Team

Unser Team zeichnet sich durch Kompetenz, Engangement und Motivation aus. Die Stationsleitung der Stroke Unit ist mehr als 15 Jahre in dieser Postion tätig. Unsere erfahrenen Therapeuten der Stroke Unit (Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie) gewährleisten selbstverständlich auch am Wochenende eine Diagnostik und Behandlung der Ausfallsymptome. Die leitenden Ärzte der Abteilung weisen langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Schlaganfallbehandlung auf. Der Chefarzt der Abteilung ist ein überregional anerkannter Experte auf dem Feld der Schlaganfallbehandlung und auf dem Feld der akuten Schlaganfallbehandlung wissenschaftlich renommiert.